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Kat’s Kemet #1: Fakten & Kuriositäten

14/06/2018

Hallöchen, ihr Lieben.

Willkommen zu einer neuen Beitragsreihe rund ums alte Ägypten. Ich dachte, wenn ich schon Ägyptologie studiere, kann ich auch etwas von meinem Wissen auch an euch weitergeben. Ich plane, ganz viele unterschiedliche Beiträge zu schreiben, die alles von Politik über Literatur bis hin zu Flora & Fauna behinhalten sollen. Ihr dürft mir gerne immer Anregungen und Wünsche schicken.
So, jetzt wo wir das geklärt haben, fange ich auch gleich mal mit einem kleinen Einstieg an. Ich dachte Fakten & Kuriositäten zum Anfang könnten ganz interessant sein. Warum ich das Ganze Kat’s Kemet nenne, könnt ihr am Ende des Beitrags lesen.


  • Es gab keine Religion

Damit will ich sagen, es gab keine Religion in unserem heutigen Verständnis. Was wir heute als ägyptische Mythologie oder Religion bezeichnen, ist lediglich eine Vereinfachung. Die Götterwelt und alles, was dazu gehört, sind nämlich Teil des alltäglichen Lebens und sind mit allen Bereichen vermischt, so zum Beispiel mit der Medizin, der Magie, der Politik, der Namen,..

  • Der Pharao ist ein großes Haus

Ähm, ja. Das Wort ‚Pharao‘ leitet sich vom ägyptischen pr aA (gesprochen per a-a) ab, was übersetzt so viel wie „großes Haus“ bedeutet. pr aA ist übrigens die Bezeichnung für den Königshof oder den Palast und wird erst ziemlich spät als Königsbezeichnung verwendet. Für den König selbst gibt es mehrere Bezeichnungen (beziehungsweise Titel), die bei starkem Stier anfangen und beim Sohn des Sonnengottes aufhören. Die gängigste Bezeichnung, also der offizielle Titel war aber nsw (gesprochen: nessu), der Herrscher. Da Ägypten nicht immer ein Land war, sondern zwischendurch in mehrere Gaue oder in Ober- und Unterägypten geteilt war, bekommt der Herrscher des kompletten Namens auch den Titel nsw-bjtj (gesprochen: nessu-biti), König von Ober- und Unterägypten.

  • Wer schreibt, bleibt

Der Schreiber ist wohl einer der coolsten Berufe im alten Ägypten. Sie waren super gebildet und für ziemlich viel zuständig, je nachdem wie hoch sie sich gearbeitet hatten. Es gab übrigens auch Schreiber für sämtliche Tätigkeiten. Stellt euch sämtliche Dokumente vor, die heute aufgeschrieben werden. Die gab es damals auch. Nur, dass damals die wenigstens überhaupt schreiben konnten und deshalb ein Schreiber einen bestimmten Aufgabenbereich hatte. Wenn zum Beispiel Steuern oder Pachten eingetrieben wurden, schrieb ein Schreiber dies auf. Ein anderer kümmerte sich um Materialkosten. Ein anderen schrieb Protokoll bei Gerichtsverhandlungen. Einer schrieb königliche Dekrete, etc. Es ist auch ein Text überliefert, die sogenannte Lehre des Cheti, der beschreibt, warum man Schreiber werden sollte und warum alle anderen Berufe doof sind.

  • Gib mir Silber

Silber war wohl das kostbarste Metall in Ägypten, denn es kam dort nicht vor und musste importiert werden. Gold? Auf dem saßen die Ägypter praktisch. Und zwar als einzige. Aus diesem Grund hatten sie ziemlich gute Handelsoptionen, denn natürlich wollen alle anderen das Gold! Also wurde Gold in rauen Mengen ausgeliefert. Was kam im Gegenzug ins Land? Kostbare Steine, Holz, Silber, Bernstein, Pflanzen und Tiere und Frauen. Frauen?

Silbergefäße, Tell Basta
  • Verkleide sie. Niemand weiß, dass sie keine Prinzessin ist

Wie stärkt man die Bindung zu einem anderen Land? Man heiratet den Herrscher. Oder man schickt Töchter, die einen anderen Herrscher heiraten. Der ägyptische König heiratete also die Töchter der Könige von umliegenden Staaten und schickte dafür Reichtümer. Entsandte der König auch eine Tochter? Nein. Das kam gar nicht in die Tüte. Eine ägyptische Prinzessin, die ins Ausland geht? Um zu heiraten? Jemanden, der kein guter Ägypter ist? Nope. Hierzu gibt es einen Brief, indem der ägyptische König gebeten wird, doch bitte irgendeine Ägypterin zu schicken und als Prinzessin auszugeben. Die Untertanen wüssten das ja sowieso nicht.

  • Ich will deine Dienerin sein

Ramessidische Liebeslyrik. *Hust*. Was wir alles Liebeslyrik kennen, ist eher so etwas in die Richtung von ich liebe dich und vermisse dich, deine Augen, deine zarte Haut, blablabla. Die Liebeslyrik zur Zeit der Ramessidenzeit ist eher so etwas in die Richtung von „Ich will deine Dienerin sein, damit ich dich beim Umziehen beobachten kann. Ich will Wäsher sein, damit ich an deiner Unterwäsche riechen kann.“ Creepy? Äh, joa. Wenn ich von Ramessidisch spreche, meine ich übrigens die Zeit der 19. und 20. Dynastie, in der elf Pharaonen mit dem Namen Ramses regiert haben.

  • Der Pharao gewinnt. Immer.

Große Schlachten, kleinere Fehden. Natürlich haben die Ägypter sie alle gewonnen. Der Pharao hat die Feinde niedergetrampelt, man brachte ihm viele Hände (Kriegstrophäen), die „schrecklichen Feinde“ besiegt. So steht es in sämtlichen ägyptischen Texten. Blödsinn. Von anderen Völkern gibt es ebenfalls Zeugnisse von diesen Schlachten. Die allerdings von einem gänzlich anderen Kampfausgang berichten. Aber nun ja, der Pharao ist die Nummer 1 und praktisch unfehlbar.

  • Dynastien? Zwischenzeiten? Hä?

Heutzutage teilen wir die Chronologie in Dynastien ein. Davon gibt es 30. Eine Dynasie umfasst oft eine Herrscherfamilie oder deren Vertraute oder gleiche politische Interessen. Einen Bruch gibt es zum Beispiel, wenn ein Pharao irgendwas angestellt hat und danach so etwas wie eine neue Ära beginnt. Ein bekanntes Beispiel für einen König, der Mist baut ist Echnaton. Die mit ihm verbundene Amarna-Zeit leitete das Ende der 18. Dynastie ein. Es gibt auch sogenannte Zwischenzeiten. Die sind immer dann, wenn Ägypten geteilt ist. So sind zum Beispiel die Hyksos aus Asien eingefallen und haben Unterägypten besetzt.

  • Von Kuh zu Löwe

Im Gegensatz zu manch anderem polytheistischen Glauben, haben die Ägypter ihren Göttern nicht nur einen Aspekt zugeordnet, sondern mehrere. Manche Götter haben auch den gleichen Namen, aber andere Funktionen. Oder die gleichen Funktionen, aber unterschiedliche Namen. Man muss dabei auch darauf achten, ob eine Gottheit nur lokal verehrt wird, oder in ganz Ägypten (oder darüber hinaus). Nehmen wir beispielsweise Hathor, die Kuh, die in Verbindung mit mütterlichen Aspekten steht (und dadurch mit Isis), aber sich auch in Sachmet, eine Löwengottheit verwandeln kann und eine zerstörerische Kraft innehat. Sachmet ist auch eine extra Göttin. Und dann gibt es da noch Bastet, die ebenfalls mit Sachmet gleichgesetzt werden kann, aber als Katze die eher sanftere Schwester von Sachmet sein kann. Oder die Geschwister Isis, Osiris, Seth, Nephthys und Horus. Und der Sohn von Isis und Osiris, Horus. Naja, ihr versteht das Problem, denke ich.

  • Die Pyramiden wurden von Sklaven erbaut

Eh. Nein. Größtenteils handelte es sich (höchstwahrscheinlich) um ägyptische Arbeitskräfte. Arbeitsplatzschaffung und so. Klar, da haben auch Gefangene gearbeitet und das mit Sicherheit nicht freiwillig. Aber die Pyramiden wurden nicht von geknechteten Sklaven errichtet. Und wo wir gerade bei Pyramiden sind: es gibt mehr als die 3 bei Giza. So gibt es auch unterschiedliche Arten und Bauweisen und Dekorationen, bezeihungsweise Beschriftungen.

  • Schrift

Können von rechts nach links, von links nach rechts und von oben nach unten gelesen werden. Die Blickrichtung der Zeichen bestimmt die Leserichtung. Ein Zeichen kann als Buchstabe, Wort oder Erklärung stehen. Ein Zeichen kann mehrere Lesungen haben. Die Kursivschrift wird Hieratisch genannt. Schrift kann auf sämtlichen Materialien und Gegenständen gefunden werden: Wände, Töpfe, Papyri, Scherben (=Ostraka), Möbel, Statuen, etc.

  • Für wenn ich tot bin

Ziemlich viel hat sich, zumindest in der Ober- und Mittelschicht, um den Tod gedreht, oder vielmehr darum, was danach kommt. Was heute in Gräbern gefunden wird sollte mal zum besseren Leben nach dem Tod führen. Der Tote brauchte schließlich Geschirr und Essen, Kleidung, Öle, Beschäftigung. Und Uschebtis, kleine Helferlein, die ihm die Arbeit abnehmen konnten. Eines für jeden Tag. Uschebtis sind kleine Figürchen.

  • Quell des Lebens

Der Nil war extrem wichtig. Jedes Jahr kam die Nilflut. Wenn der Wasserpegel wieder gesunken war, ließ er fruchtbaren Schlamm zurück, auf dem Ackerbau betrieben werden konnte. Außerdem speiste er mit seinem Wasser die Ufer, wo Pflanzen gedeihen konnten. Nach dem schwarzen Schlamm ist Ägypten auch benannt: Kemet, das Schwarze. Also zumindest im alten Ägypten wurde es so genannt und beschreibt eigentlich nur das Land entlang des Flusses, sowie die Oasen im Westen. Was soll man auch mit der ganzen Wüste?


So, das wäre es fürs erste. In den kommenden Beiträgen gehe ich genauer auf einzelne Punkte ein, aber ich hoffe, dass euch das einen kleinen Vorgeschmack geben konnte. Wie bereits gesagt, immer her mit Anregungen und Wünschen, vor allem in den Bereichen Sprache, Literatur, Außenpolitik, Flora und Fauna.

Alles Liebe & bis zum nächsten Mal,

Kat

  1. Was soll man auch mit der ganzen Wüste 😀 Super cool!
    Danke für diesen tollen, interessanten Beitrag!
    Ich habe mich bisher noch nie mit Ägypten beschäftigt, und dabei möchte ich so gerne mal hinreisen. Aufgrund der dortig herrschenden Unruhen „traue“ ich mich das aktuell leider nicht, ich möchte mich dann schon gerne frei bewegen können. Im Urlaub tingel ich gerne durch die Gegend, erlebe Land und Leute. Mal schauen, vielleicht ja irgendwann.

    Übrigens wäre ich persönlich auf Echnaton und den Blödsinn, den er angestellt hat. Und auf die Sache mit dem Tod, bzw dem danach.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    1. Hi Nicci 🙂
      freut mich sehr, dass es dir gefallen hat ♥ Ich würde wahnsinnig gerne mal hin, aber finanziell klappt das leider nicht so ganz.
      Über Echnaton schreibe ich gerne mal was, der hat ja das ganze Land praktisch auf den Kopf gestellt 😀 Danke für deine Wünsche 🙂
      Liebste Grüße,
      Katja 🙂

  2. Hi Katja,
    total interessant, vielen Dank dafür! Ich studiere an der HU in Berlin und laufe immer mit ganz großen Augen an den Schaukästen der Ägyptologen vorbei. Die Sammlungen hier besuche ich auch total gerne und es war toll, so einen verständlichen und unterhaltsamen Beitrag hier zu finden. Wie bist du darauf gekommen, Ägyptologie zu studieren? Musstest du noch ein Nebenfach wählen?
    Viele Grüße
    Jana

    1. Hi Jana 🙂
      freut mich, dass es dir gefallen & was gebracht hat 🙂
      Das alte Ägypten hat mich shcon immer fasziniert, aber letztendlich war es irgendwie eine ziemlich spontane Entscheidung, als ich einen Studienführer durchgeblättert habe.
      Was studierst du denn?
      Liebe Grüße
      Katja

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