kat's kemet | non-bookish

Kat’s Kemet #2: Disco Disco Party Party

10/07/2018

Hallöchen, ihr Lieben!

Wie einige von euch vielleicht über Twitter mitbekommen haben, hatte ich am ersten Juli-Wochenende Blockseminar zum Thema „Feste im alten Ägypten“. Und da ein paar von euch großes Interesse an einem Beitrag darüber geäußert haben, schreibe ich euch nun mal was zusammen.
Erst einmal vorneweg, das Seminar ging insegsamt 30 Stunden und ich werde nicht alles wiedergeben, das wäre einfach zu viel und was die verschiedenen Feste angeht, auch einfach zu kompliziert. Aber fangen wir doch mal an…


Was gehört zum Feiern eigentlich dazu?

Musikerinnen

In Ägypten war das nicht wirklich anders als bei uns heute. Grob gesagt: Musik, Alkohol & Gesellschaft. Und das Ganze jetzt ausführlicher. Über die Musik ist nicht wirklich viel bekannt, denn wir haben nur Darstellungen und Instrumente. Das Problem ist, Darstellungen in Ägypten sind immer nur ein Ideal, nicht unbedingt die Wirklichkeit. Und ob man da jetzt wirklich Noten oder Griffe ablesen kann ist auch fraglich. Auf jeden Fall gab es Saiteninstrumente wie Harfen oder Lauten, aber auch Trompeten, Flöten und Trommeln. Und Gesang. Es sind sogar einige Liedtexte überliefert. An dieser Stelle will ich euch dieses Video ans Herz legen, in dem die Trompeten aus dem Grab von Tutanchamun gespielt werden.

Und Alkohol. Der darf auf keinen Fall fehlen! Brot und Bier waren Grundnahrungsmittel, also war Bier sowieso allgegenwärtig. Bei Festen wurde dieses aber über die Maßen konsumiert. Beim sogenannten Fest der Trunkenheit (der Titel sagt ja schon alles) ging es hauptsächlich darum, sich bis zum Erbrechen zu betrinken. Und dann mit allem, was nicht bei drei auf den Bäumen ist zu vögeln. Und dann diverse andere bewusstseinsverändernde Substanzen zu inhalieren/essen/auf die Haut schmieren, um Visionen der Göttin Hathor zu empfangen. Wie bereits erwähnt, gab es neben Alkohol noch andere Drogen, die auf verschiedene Arten eingenommen werden konnten, wie zum Beispiel Bilsenkraut, Lotus oder Alraune und Lattich.

Und natürlich war Gesellschaft wichtig. Egal, ob die Feier nun privater oder öffentlicher Natur war. Das Fest der Trunkenheit wurde übrigens sowohl privat als auch im Tempel gefeiert und der Pharao war so ziemlich der Einzige, der nicht mitgemacht hat, weil er Riten im Inneren des Tempels abhalten musste. Aw.


Warum wurde gefeiert?

Braucht man wirklich einen Grund zum Feiern? Wenn es nach den Ägyptern geht… ja. Allerdings wurde irgendwo immer gefeiert. Sei es nun zu Ehren eines Gottes oder als Dank für irgendetwas oder als Erinnerung an die Verstorbenen… es gab immer einen Grund und Feste für alles. Oft haben diese Feste auch mehrere Dinge miteinander verbunden. Zum Beispiel wurde beim Minfest zu Ehren des Gottes Min gefeiert, aber gleichzeitig auch Erntedank und die Erneurung der Königswürde des Pharao (dazu gleich mehr, das war nämlich mein Referatsthema und ich weiß Bescheid). Die Feste konnten auf verschiedene Art gefeiert werden. Es gab Prozessionsfeste, bei denen die Öffentlichkeit teilnehmen konnte, es gab aber auch solche, die nur für die Priesterschaft, den König und seine Familie, sowie einige hohe Beamte ugänglich waren. Und selbstverständlich die privaten.


Das Minfest

Auf dieses Fest gehe ich etwas näher ein, da dies mein Referats- und Prüfungsthema war und ich euch jetzt alles auswenidg erzählen kann. Cool, was? Außerdem habt ihr ja auch schon ein kleines bisschen was über das Fest der Trunkenheit gehört, also genug mit „Sex, Drugs & Rock ’n‘ Roll“ (meine Dozentinnen).

Also. Das Minfest wurde zu Ehren des Gottes Min gefeiert. Min war ein Mond- und Fruchtbarkeitsgott. Dargestellt wird er ithyphallisch (großer, erigierter Penis). Seine linke Hand ist am Phallus, die rechte erhoben. Seine Hautfarbe ist blau oder schwarz. Beide Farben stehen übrigens für Fruchtbarkeit. Seine Hauptkultorte sind Gwbtu und Ipu. Modern sind das Qift (griechisch: Koptos) und Achmim, auf dem Ostufer des Nils. Min wird oft mit anderen Göttern dargestellt, die eine Beziehung zu Fruchtbarkeit haben. Außerdem trägt er den Beinamen „Herr der Ostwüste“.

Minfest, Abschneiden der Ähren in Umzeichnung (2)

Das Minfest ist teilweise ein Rätsel. Denn ein genaues Datum gibt es nicht. Es sind mehrere überliefert und zu jedem gibt es verschiedene Meinungen. Die meiner Meinung nach plausibelste ist die Theorie, in der das Fest am ersten Neumond im ersten Monat der Schemu-Jahreszeit gefeiert wurde. Dafür spricht, dass Min ein Mondgott ist und dass kein festes Datum überliefert ist. Auch über den Ort des Festes scheiden sich die Geister der Wissenschaftler. Theoretisch kommen mehrere Tempel in Frage. Allerdings ist das Fest eines der ältesten ägyptischen Feste und manche der Tempel wurden erst um die 1500-2000 Jahre später erbaut. Was man allerdings sicher sagen kann ist, dass das Fest innerhalb des Tempels stattgefunden haben muss und nicht für die Öffentlichkeit zugänglich war. Auch über den genauen Ablauf weiß man nichts sicheres.

Das Fest bestand aus mehreren Episoden. Der Pharao wurde mit großem Gefolge vom Palast zum Tempel getragen. Dort gab es einen Opferritus für Min. Dann gab es eine Prozession innerhalb des Tempels, bei der die Statue des Gottes zur Treppe getragen wurde. Während dieser Prozession wurde musiziert, der oberste Vorlesepriester (hoher Titel) verlas dabei die Lieder und den Rhytmus.
Dann wurde die Treppe aufgebaut. Bei dieser Treppe handelt es sich um einen Sockel, der wahrscheinlich auch irgendetwas mit Fruchbarkeit zu tun hat. Die Statue des Gottes wurde darauf gestellt. Deshalb heißt das Fest im Ägyptischen auch „Der Auszug des Min zur Treppe“ (pr.t Mnw r X.t).

Der Tempel von Ramses III. in Medinet Habu (3)

Dann wurde dem König von einem Priester ein Bündel Ähren und eine Sicher gebracht, mit der er die Ähren abschnitt, welche dann von einem Priester einem weißen Stier dargebracht wurden. Dieser Stier steht übrigens für Min. Eine einzelne Ähre wurde wieder an den König gegeben.
Und da natürlich auch die Kraft und die Würde des Königs erneuert wurden, musste dies in alle Himmelrichtungen verkündet werden. Dazu musste der Pharao je einen Pfeil in jede Himmelsrichtung abschießen, sowie an jeder Seite der Treppe einen Vogel fliegen lassen. Mit dieser Symbolik wurde die Erneuerung in alle Himmelrichtungen verkündet. Das Fest wurde wahrscheinlich als Erntedankfest gefeiert. Die wahrscheinlich einzige anwesende Frau dabei war die große königliche Gemahlin, deren Aufgabe es war, um den König herumzutanzen.


Neben Festen ging es im Seminar auch um Sexualität, aber darauf möchte ich nicht unbedingt eingehen, da alles ziemlich unsicher und ohne Beweise ist. Gerade in Bezug auf alles was nicht heteronorm ist, gibt es nur wenige Hinweise, und selbst diese nur in Mythen. Aber wer weiß – vielleicht gibt es ja irgendwann mal bald neues dazu? Interessant wäre es auf jeden Fall.

Vielen Dank auch an unsere wunderbaren Dozentinnen, die sich mit ihren Blockseminaren immer so viel Mühe geben, und bei denen der Unterricht einfach total Spaß macht.


Das wäre es dann auch schon wieder. Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in die Feierwut der Ägypter liefern, der auch halbwegs verständlich war. Lasst mir doch gerne in den Kommentaren, über Twitter oder per Mail Wünsche und Anregungen zukommen.
Einer der nächsten Beiträge wird sich auf jeden Fall mit Echnaton und Amarna beschäftigen.

Also, bis zum nächsten Mal.
Tschüssle & adieu,

Katja


Bildquellen:
(1) Wikipedia / Talfest
(2) Wikipedia / Min-Fest
(3) Wikipedia / Medinet Habu
  1. Ich bin ja immer noch der Meinung, dass das Seminar noch mehr Spaß gemacht hätte, wenn ihr so ein Fest mal durchgespielt hättet 😀 So nach dem Motto: Erleben, was man studiert 😀

    Bei „Fest der Trunkenheit“ musste ich ja spontan an Komasaufen denken. Obwohl die meisten dann vermutlich nicht mehr in der Lage wären, sich durch die Massen zu vögeln 😉 Aber ansonsten klingt das Fest genau so, wie ich mir so manche Party heutzutage vorstelle. Und damit geht dann einher, dass ich eine schlechte Ägypterin gewesen wäre 😉

    Danke für den kleinen Einblick in die Welt der Partypeople vom Nil ♥

    1. hi Sas 🙂
      joa, vor allem das Fest der Trunkenheit wäre cool gewesen 😀 Aber ja, so hört es sich an. Das scheint echt relativ heftig gewesen zu sein.. 😀
      Gerne doch 🙂 Das Seminar war total cool! 🙂
      Liebe Grüße,
      Kat

  2. Kat <3
    Du hast da einen wirklich wundervollen Beitrag geschrieben und am liebsten hätte ich das alles in Wirklichkeit gesehen. Wie schön wäre es, wenn man wirklich in die Vergangenheit zurückreisen könnte um alles in echt zu sehen? Ich danke dir auf jeden Fall für den tollen Beitrag und bin gespannt ob du irgendwann noch mehr von deinem Wissen teilen wirst.
    Alles Liebe,
    Julia von https://thebookdynasty.de
    #litnetzwerk

    1. Huhu Julia 🙂
      dankeschön!! ♥ Ohja, das wäre richtig klasse. Das denke ich so, so oft. Das würde auch vieles erleichtern und einige wirre Spekulationena beenden. Aber klar, da kommen definitiv noch mehr Beiträge. Sobald ich wieder in Leipzig bin und sämtliche Unterlagen und die Bibliothek nutzen kann 😀
      Liebste Grüße
      Kat

  3. Liebe Katja,
    wow! Was für ein interessanter Blogbeitrag und sehr cooles Thema. Mal was ganz anderes. Wo gibt es denn solche Seminare?
    Vielen Dank fürs teilen, da kann ich noch ganz viel Input für mich mitnehmen. 🙂
    Liebe Grüße,
    Yvonne

  4. Entschuldige bitte Kat, ich habe nicht genau genug gelesen und eigentlich war das ja auch klar. Du studierst Ägyptologie! 🙂
    Ich finde die Idee, dass es für Feiern immer einen Grund gibt, eigentlich sehr cool. Wenn man man so darüber nachdenkt, Man könnte auch viel mehr Feiern 🙂
    Solche Artikel sind super inspirierend.

    1. Hi Yvonne 🙂
      Dankeschön! 🙂 Ich werde auch definitiv noch mehr Beiträge zum alten Ägypten schreiben.
      Kein Problem. Das ist ja auhc nicht unbeidngt etwas, an das man sofort denkt. So bekannt und beliebt ist der Studiengang ja jetzt nicht gerade 😀
      Ja, da stimme ich dir zu. Feiern ist eigentlich so schön, und es gibt ja auch so viele verschiedene Arten des Feierns. Für mich ist immer die Hauptsache, dass es was zu essen gibt 😀
      Alles Liebe
      Katja

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