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Kat’s Kemet #3: Schrift und Sprache – Hieroglyphen

08/11/2018

Hallöchen, ihr Lieben.

Ich dachte, es ist wieder einmal Zeit für einen neuen Beitrag über das alte Ägypten. Bevor ich die Beitragsreihe überhaupt gestartet habe, gab es eine kleine Twitterumfrage mit Wunschthemen und viele von euch haben ihr Interesse an Schrift & Sprache kundgetan. Also komme ich diesem Wunsch jetzt nach und beginne mit einer kleinen Einführung in die Hieroglyphen. Ich werde aber nur an der Oberfläche kratzen, denn für einen Beitrag ist die Grammatik und alles was da so dazu gehört einfach zu komplex. Ich hoffe, ihr nehmt etwas aus dieser Einführung mit.


Stelenfragment aus der Zeit von Tutanchamun Quelle: Ägyptisches Museum und Papyrussammlung Berlin

In Ägypten gab es mehrere Sprachstufen, sowie im Deutschen ja auch. Nur die älteren davon benutzen Hieroglyphen in ihrer Schrift: Altägyptisch, Mittelägyptisch und Neuägyptisch. Die drei Sprachen sind sich grammatikalisch relativ ähnlich und bauen aufeinander auf, beziehungsweise gehen ineinander über. Die Hieroglyphen sind so etwas wie die Druckschrift. Die Schreibschrift (=Kursive) dazu wird Hieratisch genannt. Benutzt wurden sie über 3000 Jahre lang.

Die Aussprache widerzugeben ist schwer. Sehr schwer sogar, und nicht hundertprozentig möglich. Vokale wurden nämlich nicht geschrieben. Man kann sich zwar einige Dinge aus anderen Sprach(stufen) herleiten, aber eben noch lange nicht alles. Und einen Muttersprachler können wir ja leider nicht mehr fragen. Deshalb gehören die ägyptischen Sprachen zu jenen, die man lesen, aber nicht sprechen muss.

Hieroglyphen konnten geritzt, gemeißelt, reliefiert oder gemalt werden. Geschrieben wird von links nach rechts, rechts nach links oder von oben nach unten. Das kommt ganz auf den Platz und die Art des Textes an. Es ging oft nicht nur darum, etwas zu erzählen, sondern auch um die Anordnung, die auch eine Bedeutung haben konnte oder es sah einfach besser aus. Es dreht sich vieles um Aussehen, sowohl in der Schrift, als auch in anderen Bereichen des Lebens. Es gibt eine Regel, nach der man sich beim Lesen von Hieroglyphen eigentlich immer richten kann: Lese in die Richtung, in der die Hieroglyphen dich anschauen. Ich erkläre das mal genauer anhand des Namens „Amenemhat“:

Hier werden die Hieroglyphen von links nach rechts gelesen. Das erkennt man daran, dass die Hieroglyphen nach links schauen, also den Leser angucken. Wenn man sich nicht sicher ist, sollte man sich ein eindeutiges Zeichen suchen, in diesem Fall wären das zum Beispiel die Eule, das Löwenvorderteil oder der sitzende Mann.

Hier ist der gleiche Name, aber dieses Mal wird er von rechts nach links gelesen. Hier geht man nach dem gleichen Schema vor. Und wenn von oben nach unten gelesen wird, ist das eigentlich auch nicht anders, nur dass die Hieroglyphen dann eben untereinander angeordnet sind, in sogenannten Kolumnen.


Es gibt Phoneme, das heißt Lautäußerungen, die als Hieroglyphen wiedergegeben werden. Man könnte die Zeichen als eine Art Buchstaben sehen. Keinesfalls ist es aber eine Bilderschrift.Man könnte jetzt meinen, dass jedes Zeichen eine bestimmte Lesung hat. Leider stimmt das so nicht und es ist etwas komplizierter. Es gibt nämlich mehrere Möglichkeiten ein Zeichen zu lesen:

  1. Phonogramme: Als Teil eines Wortes. Dabei wird ihm ein Laut zugeordnet. Nehmen wir als Beispiel die Hausgrundriss-Hieroglyphe. Sie wird pr (=per) gelesen. Sie kann als Teil eines Wortes stehen.
  2. Logogramme: Als ganzes Wort. Das Zeichen wird immer noch pr gelesen, kann aber als eigenständiges Wort pr = Haus stehen
  3. Ein Zeichen kann außerdem als sogenanntes Determinativ (Deutungszeichen) stehen. Manche Wörter werden nämlich gleich geschrieben und gelesen und ein weiteres Zeichen am Ende des Wortes zeigt, um welche Wortbedeutung es sich dann schlussendlich handelt.

Es gibt verschiedene Arten von Zeichen. Es gibt Ein-, Zwei-, Drei- und Mehrkonsonantenzeichen. Bei Einkonsonantenzeichen wird dem Zeichen nur eineinziges Phonem zugeordnet, zum Beispiel „s“. Zweikonsonantenzeichen können dann „as“ oder „si“ gelesen werden, Dreikonsonantenzeichen „hat“, und so weiter. Das waren nur Beispiele, natürlich gibt es noch viel  mehr Möglichkeiten. Manche Zeichen können auch unterschiedliche Lesungen haben.

Beispielsweise kann dieses Zeichen sowohl Ab, als auch mr (aab & mer) gelesen werde. Normalerweise steht danach ein Zeichen, das definiert, um welche Aussprache es sich nun handelt. Folgt eines, das entweder a oder b beinhalten, wird das Zeichen Ab gelesen, folgt m oder r, wird es mr gelesen.

Vielleicht fragt ihr euch mittlerweile, warum ich die Aussprache immer kursiv schreibe. Nun ja, es gibt da in der Ägyptologie eine eigene Art Hilfssprache zur Lesung der Hieroglyphen, und zwar die Transkription. Die ist überall gleich (oder zumindest sehr ähnlich) und man transkribiert die Hieroglyphen, bevor man sie dann endgültig übersetzt. Das macht vieles einfacher, vor allem wenn es dann auch um Grammatik geht. Und so kann jeder andere Ägyptologe gut nachvollziehen, warum etwas auf eine bestimmte Art und Weise übersetzt wurde.


Das war eine kleine Mini-Einführung in die Hieroglyphenschrift. Ich hoffe, ich konnte das einigermaßen verständlich machen, ansonsten fragt mich gerne.

Bis zum nächsten Mal,
Kat

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