book review

Miss Veronica und das Wunder der Pinguine | Hazel Prior | Rezension

02/01/2022

Anmerkung: Ich habe dieses Buch vom Verlag erhalten, im Austausch für meine ehrliche Meinung.

Um was geht’s?

Die 86-jährige Veronica McCreedy lebt entfremdet von ihrer Familie in einem großen Anwesen an der schottischen Küste. In letzter Zeit fragt sich die rüstige alte Dame oft, was sie noch mit ihrem Leben – und ihrem Vermögen – anfangen soll. Als sie eines Abends im Fernsehen eine Sendung über eine Kolonie bedrohter Adeliepinguine in der Antarktis sieht, ist Veronica zutiefst beeindruckt und fasst einen tollkühnen Plan: Sie wird den Pinguinen in der Antarktis einen Besuch abstatten. Und Veronica wird sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen lassen, auch nicht von dem Forscherteam, bei dem sie sich einzuquartieren gedenkt.

miss veronica und das wunder der pinguine

Buch: Miss Veronica und das Wunder der Pinguine | orig. Titel: Away with the Penguins | Autorin: Hazel Prior | Übersetzer: Thomas Bauer | Genre: Belletristik | Seiten: 494

Meine Meinung:

Ich habe am Anfang eine Weile gebraucht, um mit Veronica warm zu werden. Man merkt, dass sie eine alte Frau ist, die schon lange allein lebt und so ihre Marotten entwickelt hat. Damit müssen nicht nur andere Charaktere klarkommen, sondern auch die Leser*innen. Das schöne ist jedoch, dass sich weder Veronica noch ihr Umfeld davon wirklich abschrecken lassen und sich so tolle Konstellationen und Entwicklungen bilden.

Veronica ist reich und hat eigentlich nur ihre Haushaltshilfe Eileen, mit der sie sich regelmäßig austauscht. Ansonsten schaut sie gerne Naturdokumentationen oder geht spazieren. Sie legt großen Wert auf Dinge wie Sauberkeit und Ordnung, sowohl an sich selbst auch um sie herum. Oft ist sie impulsiv und sehr direkt, manchmal zu direkt. Sie grenzt sich dadurch von anderen ab. Ihrer Impulsivität und ihrer Liebe zu Tieren hat sie es zu verdanken, dass sie sich plötzlich am anderen Ende der Welt befindet und mit drei Forschern zusammenlebt.

Ab diesem Punkt begann ich, mich mehr für Veronica zu interessieren. Hier nimmt die Geschichte auch an Fahrt auf, da Veronica dazu gezwungen ist, mit anderen Menschen zu interagieren und manchmal ihre Bedürfnisse hintenan zu stellen. Sie stellt das Leben der Forscher ganz schön auf den Kopf, andersherum ist es aber genauso. Das verbindende Element sind dabei vor allem die Pinguine, an denen alle vier großes Interesse haben. Ich mochte diese ungewöhnliche Konstellation aus Forschern und etwas schrulliger alter Frau sehr gern, jede Person trug etwas zur Geschichte bei und gestaltete sie auf eine ganz eigene Weise. Erzählt wird dies aus Veronicas Sicht, wodurch die Veränderungen nur umso deutlicher werden. Sie wird offener und emotionaler und beweist, dass man selbst in hohem Alter noch viel lernen kann.

Die zweite Sichtweise nimmt Veronicas Enkel Patrick ein. Auch er durchläuft viele Veränderungen, auch dank seiner Großmutter. Durch ihn erfährt die Leserschaft von der Vergangenheit Veronicas und wie sie zu der Person wurde, die sie heute ist. Die beiden haben einen schwierigen Start, können sich aber zusammenraufen. Die Beziehung der beiden und wie sie sich entwickelt ist wunderschön beschrieben und nachvollziehbar. Mit beiden Charakteren hatte ich anfangs so meine Problemchen, aber sie sind mir sehr ans Herz gewachsen.

Insgesamt waren die Figuren allesamt sehr realistisch dargestellt. Alle hatten eine ganz persönliche Note, unterschiedlich wahrgenommen durch Patrick und Veronica. Durch die zwei Erzählperspektiven haben alle Charaktere mehr Tiefe erlangt, sodass sie noch viel realer gewirkt haben.

Der eigentliche Grund aus dem ich das Buch unbedingt lesen wollte, kam natürlich auch nicht zu kurz: Die Pinguine. Man merkt absolut, dass die Autorin Pinguine auch gerne mag und sie werden sowohl durch eine rosarote Brille (dank Veronica) betrachtet, als auch von naturwissenschaftlicher Seite her. Auch, dass auf den Klimawandel und die Gefahren für die Umwelt eingegangen wird, hat mir sehr gut gefallen.

Insgesamt hat mir das Buch nach ein paar Startschwierigkeiten unheimlich gut gefallen. Es beschäftigt sich mit Liebe, vor allem familiärer und freundschaftlicher und wie sie eine Person verändern kann. Sie beschäftigt sich mit Vergangenheit und Traumata und deren Folgen. Die Themen, die dem Buch zugrunde liegen sind doch relativ schwer, doch Hazel Prior schafft es, sie dennoch einfühlsam und mit genau der richtigen Prise Humor und Leichtigkeit zu beschreiben, sodass Miss Veronica und das Wunder der Pinguine zu einem unterhaltsamen Roman wird, der aber durchaus zum Nachdenken anregt.

Rating:

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